Tora

Die Tora ist der Grundstein des jüdischen Glaubens. Sie ist der wichtigste Bestandteil der hebräischen Bibel. Dem Wortsinn nach bedeutet sie Lehre, Weisung, Gesetz. Der Begriff wird jedoch in vielen Bedeutungen gebraucht. Die engste bezeichnet die fünf Bücher Mose, die das Volk Israel nach Darstellung der Tora am Berg Sinai erhielt. Während in der Tora neben den erzählenden Teilen 613 Ge-und Verbote aufgelistet werden, werden in der sich anschließenden mündlichen Tora und deren Ausformungen (Mischna und Talmud) diese Vorschriften konkretisiert und verändert. 

 

Mit dem Begriff Tora wird auch die Torarolle bezeichnet. Dies ist eine handgeschriebene Rolle aus Pergament mit dem hebräischen Text. Daraus wird in jüdischen Gottesdiensten vorgelesen, wobei das Lesen eher an ein Singen erinnert. An jedem Sabbat ist ein bestimmter Textabschnitt dran, sodass sie nach einem Jahr vollständig durchgelesen ist. 

 

Eine solche Rolle wird grundsätzlich von Hand geschrieben, von einem dafür ausgebildeten Sofer (Schreiber). 

 

Zum Toraschmuck gehören Wimpel, Toramantel, Toraschild, Torakrone und Zeigestab. Wird die Tora gut sorgfältig behandelt kann sie mehrere Hundert Jahre rituell brauchbar bleiben. Torarollen, die sich abgenutzt haben oder die man aus irgend einem Grund zurücklassen muss, werden sorgfältig verwahrt oder auf einemjüdischen Friedhof begraben. 

 

Die jüdische Gemeinde in Niederstetten besaß zwischen zwanzig und dreißig Thorarollen, von denen ein großer Teil Eigentum der Gemeinde war. Die Rollen wurden nach der Familie benannt, von der sie kamen. 

 

Schon die dreijährigen Kinder durften in Niederstetten ihre Torarollen mit Wimpeln in die Synagoge tragen. Darauf gestickt der Name und persönliche Glückwünsche. Der Wimpel, aus Leinwand hielt die Rollen zusammen. Somit waren alle Namen im Gotteshaus aufbewahrt. Im November 1938, als jüdische Geschäfte geplündert und Synagogen in Brand gesteckt wurden entschloss sich die noch am Ort verbliebene jüdische Gemeinde einen alten Brauch wieder aufleben zu lassen und die heiligen Schriften und Gegenstände auf dem Friedhof zu vergraben. Man schaufelte dort ein großes Loch, dann zog man mit einem Handwagen zur Synagoge belud ihn und zog auf die Anhöhe zum alten Friedhof, der seit 1740 für Juden bestand.