Morris Selz
Goldgräber, Schuhfabrikant und engagiert im amerikanischen Bürgerkrieg
Als in den Vereinigten Statten der Bürgerkrieg zwischen den Nord- und Südstaaten ausbrach, nahmen daran auch viele Einwanderer der zurückliegenden Jahre teil. Juden gehörten allen Einheiten an. Im Sommer 1862 suchte Präsident Lincoln weitere 300 000 Freiwillige für sein Militär. Daraufhin meldeten sich auch viele Juden. In Chicago formierten sie unter anderem eine eigene Einheit, die „Israelite Compagnie“, die später als Kompanie C der „82nd Illinios Infantry“ bekannt wurde. Es galt nun in Versammlungen Freiwillige für eben diese Kompanie C zu rekrutieren. An vorderster Front und in Zeitungsartikeln immer wieder erwähnt werden die beiden ehemaligen Bürger aus Niederstetten, Stettheimer und Stelz.
Von letzterem ist bekannt, dass er anfangs der 40er Jahre als junger Mann in New York landet. Sein ganzer Besitz besteht aus einem alten preußischen Talar. Sein voller Name: ursprünglich Moises, jetzt Morris, geboren als siebtes Kind des Seilermeisters Jakob Hirsch Selz in Niederstetten. Mitausgewandert waren Mitglieder der Familie Stettheimer - Dieser Name wurde von einigen Familien in Niederstetten angenommen in Anlehnung an das alte Stetten oder „Schteite“. Die Freundschaft der beiden Familien wird auch in der Neuen Welt gepflegt.
Als der junge Morris zu etwas Geld gekommen war, kauft er sich ein Pferd und einen Wagen und zieht nach Georgia, wo er bis zum Einsetzen des Goldrauches lebt und arbeitet. Dann verkauft alles und zieht über Panama nach Kalifornien.
Er lässt sich in Jamestown nieder, später in Sonara. Wird Goldgräber, Minenarbeiter, Ladeninhaber. Als er sich ein kleines Vermögen verdient hat, geht es weiter nach Chicago. Dort leben auch die alten Freunde und Verwandten. Er heiratet, Kinder werden geboren und er beginnt mit dem anfertigen von Schuhen. Eine Fabrik entsteht. Und die läuft richtig gut. Sehnsüchtig denkt er immer wieder zurück an seine Heimatstadt im Vorbachtal. Doch die große Reise findet nicht statt. Als er am 3. Juni 1913 verstirbt, ist die Trauer groß, war er doch auch ein weit geachteter Wohltäter. Später sind es seine Kinder, die in den Jahren des dritten Reichs mithelfen, jüdischen Gemeindegliedern die Auswanderung zu ermöglichen.
Die „82nd Illiniois Infantry mit ausgesprochen hohen Anteil Deutscher Auswanderer hat sich besonders in den Schlachten von Chancellors (Mai 1863) und Gettysburgh (Juli 1863) ausgezeichnet.


