Max und Bruno Stern
Noch heute ist die Erinnerung an zwei Vertreter der jüdischen Gemeinde von Niederstetten wach, diese sind Max Stern und sein Sohn Bruno.
Max Stern wurde als Sohn einer alteingesessenen jüdischen Familie in Niederstetten geboren. Verheiratet mit Rosa, die wie viele andere jüdische Mädchen auch die katholische Mädchenschule St. Bernhardt im Bad Mergentheim besuchte und Mitglied des hiesigen Landfrauenverbandes gewesen ist.
Nach seiner Rückkehr aus dem I. Weltkrieg begann er einen Fell- und Lederhandel. Lange Jahre war er ein hoch angesehenes Mitglied des Niederstettener Gemeinderats. Als Mitglied des Gewerbevereins kommt er über deren Liste ins Kommunalparlament. Bei einer Wahl erreicht er gar die zweithöchste Stimmenanzahl.
Er entwickelt sich zum Urheber und Wegbereiter vieler Projekte der Stadt. Insbesondere gingen der Bau der städtischen Wasserleitung und des Freibades auf seine Initiative zurück. Im Jahr 1930 wurde ihm die Aufgabe anvertraut, das erste Niederstettener Heimatbuch herauszugeben. Außerdem schreibt er als Lokalberichterstatter für zwei Zeitungen, mag Literatur und Poesie. Mehr als 5000 Bücher geben die Sterns bei ihrer Ausreise bei einem Stuttgarter Antiquar in Kommission, um sie so günstig wie möglich zu verkaufen.
Im weltoffenen Haus der Familie Stern waren oft Besucher anzutreffen, auch solche aus der Stadt, die Neuigkeiten, politische Gerüchte, Vorahnungen aber auch die neueste Mode mit nach Niederstetten brachten.
In der jüdischen Gemeinde war er Mitglied des Vorstands und übte das Ehrenamt des Mohels – des rituellen Beschneiders – aus.
Am 25. März 1933 gehörte er zu den jüdischen Männern, die von einem nationalsozialistischen Schlägertrupp grausam misshandelt wurden – hiervon sollte er sich körperlich und seelisch nie wieder erholen.
Ende 1938 gelang es Max Stern, gemeinsam mit seiner Frau in die USA zu emigrieren, im Dezember 1943 ist er in New York gestorben.
Max Stern
Bruno Stern wurde im Jahr 1912 in Niederstetten geboren. Nach dem Abschluss seines Zahnmedizinstudiums entschloss er sich 1937, in die USA zu emigrieren. Hier gelang es ihm, sich mit harter Arbeit allmählich eine Existenz aufzubauen, allerdings nicht in seinem erlernten Beruf.
In zwei lesenswerten Büchern hat er voller Emotion, aber ohne Ressentiments das Leben in der NS-Zeit, die Emigration in die USA sowie die Nachkriegszeit geschildert. „Meine Jugenderinnerungen an eine württembergische Kleinstadt und ihre jüdische Gemeinde“ erschien 1968, im Jahr 1985 folgte „So war es – Leben und Schicksal eines jüdischen Emigranten“. Bewegend beschreibt er die Verzweiflung der Juden, plötzlich Fremde im eigenen Heimatland sein zu müssen und dieses schließlich ganz zu verlieren.
Der begeisterte Hobby-Fotograf erstellte in der Nachkriegszeit eine Tonbildschau (meine Stadt, mein Haus und meine Familie) über Niederstetten, mit der er der liebenswürdigen Kleinstadt seiner Kinder- und Jugendzeit ein Denkmal gesetzt hat. Im Juni 1972 besucht er seine alte Heimatstadt noch einmal und beschreibt sehr emotional die Begegnungen mit Menschen, die er noch gekannt hatte.
1981 ist Bruno Stern in New York gestorben.
Bruno Stern Das erste Auto der Familie Stern


