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Frauen und Männer

Wie auch in anderen Religionen begünstigt das traditionelle System der jüdischen Religion die Männer gegenüber den Frauen. 

 

Die Frau war dem Leben in der Familie zugeordnet. Sie ist die Wahrerin der der Häuslichen Religiosität, zündet beispielsweise am Sabbat die Kerzen an und segnet sie. Sie ist verantwortlich für die kultische Reinhaltung der Wohnung und der Speisen. Macht und Autorität waren männliche Monopole und während die Söhne schon früh eine religiöse Ausbildung erhielten. Wurde dies den Mädchen größtenteils versagt. In der Sitzordnung beim Gottesdienst herrscht Geschlechtertrennung. Mittelalterliche Synagogen hatten separate Räumlichkeiten, Männer -und Frauenbereiche. Erst mit den Reformen im 19. Jahrhundert gab es ein Entgegenkommen der Männer. Die Gitter der Frauenbereiche wurden niedriger gebaut, es kam zu Öffnungen mittels Durchbrüche. 

 

In der Synagoge des Städtchens gab es zwei Frauenbereiche. Betrat man die Synagoge kam man auf eine kleine Plattform von der die Stufen in den Männerraum hinabführten. Rechts und links davon führten Türen in die untere Abteilung der Frauensynagoge. Diese war etwas erhöht und durch eine einfache Holzbalustrade vom Männerbereich getrennt. Direkt drüber befand sich noch eine große Frauengalerie, die so breit wie die ganze Synagoge war. Die Sitzreihen stiegen nach hinten stufenförmig an, so dass man sehen konnte, was unten vor sich ging. Gleich neben dem Eingang befand sich die Treppe nach oben. Nicht einig waren die Strengeren unter den Gemeindegliedern allerdings damit, dass die Frauen im unteren Bereich denselben Eingang wie die Männer benutzten. 

 

Spätestens seit dem 19. Jahrhundert gibt es eine breite Emanzipationsbewegung innerhalb des Judentums. Auf dem Weg zur Gleichberechtigung suchten sich Jüdinnen Berufe außerhalb des Hauses. Im Reformjudentum und bei den Konservativen gibt es heute weltweit Rabinnerinen und Kantorinen. Im Reformjudentum sitzen Frauen und Männer zusammen.

 

Rabbinerinnen und Rabbiner

Der Rabbiner ist innerhalb der jüdischen Gemeinde vor allem wegen seiner Gelehrsamkeit und seiner frommen Lebensweise eine moralische Autorität. Die Aufgabe des Rabbiners besteht weniger in der Leitung der Gemeinde als in der Erläuterung des göttlichen Gesetzes und der Traditionen. Diese wollen zeitgemäß übertragen und angewendet werden. Lehre und Seelsorge, Schriftauslegung in Form einer Ansprache gehören zu seinem Verantworungsbereich.

 

Für die jüdische Gemeinschaft ist er für die Rechtssprechung zuständig. Das heißt er hat das Recht auf halachische Fragen eine verbindliche Antwort zu geben. Neben diesem Richteramt führt er Trauungen durch und ist ebenfalls für Ehescheidungen zuständig. 

 

Die Halacha umfasst die Gebote und Verbote der mündlichen und schriftlichen Überlieferung. Im Laufe ihrer Geschichte war sie stetem Wandel unterworfen. 

 

Dies gilt vor allem im Bereich der Ethik. Hier hat ein Rabbiner auf Basis der traditionellen Literatur und der Auslegung maßgebender jüdischer Gelehrter – Stellung zu beziehen. Das Amt des Rabbiners erreicht man durch ein Studium an einer Talmudhochschule oder eines Seminars und durch eine Ordination (formelle Einsetzung in das Amt) 

 

Hatte man längere Zeit selber einen Rabbiner angestellt, gehörte die jüdische Gemeinde seit 1832 zum Rabbinatsbezirk Mergentheim. 

 

Der in Niederstetten geborenen Jakob Stern.

 

Im liberalen Judentum gibt es heute viele weibliche Rabbinerinnen, doch das ist eine recht junge Entwicklung. In den 1930er-Jahren schaffte es Regina Jonas in Berlin gegen große Widerstände, Rabbinerin zu werden. Sie wird als weltweit erste Rabbinerin bezeichnet. 

 

Obwohl dem traditionellen Judentum verbunden sah sie sich als gleichberechtigt neben ihren männlichen Kollegen: „Ich kam zu meinem Beruf aus dem religiösen Gefühl, dass Gott keinen Menschen unterdrückt, dass also der Mann nicht die Frau beherrscht“. 

 

Ihren Berufswunsch verfolgte sie so hartnäckig, weil sie sich von Gott dazu berufen fühlte und weil sie in den traditionellen jüdischen Gesetzen keinen Widerspruch dazu finden konnte. 

 

Im Herbst 1942 wurde sie zusammen mit ihrer Mutter nach Theresienstadt deportiert. Dort hielt sie in Zusammenarbeit mit dem Wiener Arzt und Analytiker Viktor Frankl Vorträge zu jüdischen Themen, die Ankündigungsplakate sind erhalten geblieben. 1944 wurde sie in Ausschwitz ermordet. 

 

Das 1999 gegründete „Abraham Geiger Kolleg“ an der Universität Potsdam ist seit der Shoah das erste liberale Rabbinerseminar in Mitteleuropa. An ihm werden in einem aufgeklärten und modernen Klima Rabbinerinnen und Rabbiner, Kantorinnen und Kantoren für Europa und die ganze Welt ausgebildet. In der etwa 900 Mitglieder zählende Gemeinde in Bamberg, deren Synagoge 2007 eingeweiht wurde amtiert die Medizinerin Antje Yael Deusel, die als Rabbinerin ordiniert wurde. Die Aufgaben des modernen Rabbinats sind laut Abraham-Geiger-Kolleg Predigt und Seelsorge, Religionsunterricht, Jugendarbeit und Erwachsenenbildung sowie die Klärung religionsgesetzlicher Fragen. 

 

Für die konservative Strömung gibt es für diese Ausbildung das „Zacharias Frankel College“. Seit Wintersemester 2013/2014 besteht an der Universität Potsdam auch der Studiengang „Jüdische Theologie“, der allen Studierenden ohne Ansehen der Religionszugehörigkeit offensteht. Damit bewegt sich die jüdische Theologie auf akademischer Augenhöhe mit den christlichen Theologen und den neuen islamischen Zentren.

Minjan

Vor Beginn des Gottesdienstes wurde jahrtausendelang geprüft, ob zehn jüdische Männer in der Synagoge anwesend sind. Nur dann konnte der Gottesdienst regulär stattfinden. Diese Prüfung der Anwesenden wird Minjan genannt und bedeutet wörtlich übersetzt "Zählung". Seit Mitte des 20 Jahrhunderts haben sich innerhalb des Judentums Strömungen herausgebildet, die Frauen als Teil des Minjans dazuzählen. Seit 1973 ist es konservativen Gemeinden erlaubt, Frauen zum Minjan zu zählen, sofern der Gemeinderabbiner dem zustimmt. Eine Mehrheit der konservativen Gemeinden praktiziert mittlerweile den sogenannten egalitären Minjan. 

 

Sowohl Männer als auch Frauen können bei diesem „egalitären Minjan“ als Vorbeter fungieren. Frauen, die einem solchen Minjan angehören während des Gebets mit einem Gebetsschal und einer Kippa. Die Tendenz zur Gleichberechtigung führt auch dazu, dass Männer und Frauen während des Gottesdienstes gemischt sitzen. Auch können Frauen auch zur Torahlesung aufgerufen werden. Laut jüdischem Gesetz ist dies strenggenommen einer Frau untersagt, weil sie durch die Menstruation unrein sein könnte.

Bar Mizwa und Bath Mizwa

Am Sabbat nach seinem 13. Geburtstag feiert ein jüdischer Junge Bar Mizwa. Mit einem großen Auftritt in der Synagoge, ist er ein "Gebotsmündiger" und „Sohn der Pflicht“. Somit fungiert er als vollwertiges Mitglied der jüdischen Gemeinde. Er darf offiziell aus der Tora vorlesen und kann mit neun anderen Männern einen Minjan bilden. Dem großen Tag voraus geht eine monatelange Vorbereitung mit intensivem Lernen durch einen Rabbiner. So darf der Junge an seinem Ehrentag das Gelernte unter Beweis stellen. Die Feier wurde in mancherorts wohl auch vom Vorbild der evangelischen Konfirmation beeinflusst. In Niederstetten so wird berichtet, war der traditionelle Anzug für die Bar Mizwa ein blauer Anzug mit langen Hosen und einem Hut. Trugen die Jungen ansonsten kurze Hosen und Mützen, so wurde bei einem einheimischen Schneider ein Maßanzug in Auftrag gegeben. Und man hatte von da an auch seinen eigenen Hut. 

 

Am Abend des Tages, also nach dem Ausklingen des Sabbats, folgt ein großes Fest mit Verwandten, Freunden und Bekannten. Dabei gibt es Geschenke, Musik, Reden, heitere Einlagen. Natürlich legt man auf ein Festessen besonderen Wert, das der gefeierte 13-Jährige mit einem besonderen Dankgebet beendet. 

 

Ab diesem Tag wird der Junge nun wie alle Männer zum Morgengebet Gebetsriemen (Tefillin) und mantel tragen. 

 

Seit noch nicht allzu langer Zeit gibt es ein Fest, das zur Religionsmündigkeit führt auch bei Mädchen. Nach dem 12. Lebensjahr wird Bath Mizwa gefeiert. Somit ist die junge Frau „Tochter der Pflicht“ und hält sich ehrt wie alle anderen Mitglieder der jüdischen Gemeinde die Tora und hält deren Gesetze. In streng orthodoxen Gemeinden wird dieser Brauch nicht begangen.