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Jüdische Feiertage

Chanuka – Lichterfest

Etwa in die Weihnachtszeit fällt das Lichterfest. In Erinnerung an die Wiedereinweihung des Tempels und an die Standhaftigkeit mutiger Menschen, die sich gegen das Zurückdrängen der jüdischen Religion wehrten. Das fröhliche Fest erinnert an die Advents- und Weihnachtszeit. Während der acht Tage von Chanuka werden jeweils nach Sonnenuntergang die Kerzen am Leuchter von links nach rechts entzündet. Am Abend des Festtages wird dann gefeiert, man isst lecker und die Kinder werden beschenkt. 

 

In Niederstetten versammelten sich die Männer der Gemeinde in der Synagoge wo man feierlich die Chanukaleuchter entzündete und Gottesdienst feierte. Danach ging es nach Hause. Man zündete dort die Lichter an, sprach und sang die alten Segensgebete, darunter auch die zum Teil extra ins Deutsch übertragenen Stücke. Solange die Lichter brannten, ruhte alle Tätigkeit. Es wurde gut gegessen und danach gesungen und gespielt. Dabei lud man sich gegenseitig ein oder traf sich im Cafe der Stadt.

Rosch Haschanah – Neujahr

Der jüdische Festzyklus beginnt mit dem Neujahrsfest (September/Oktober). Der Anfang des Neuen Jahres steht im Zeichen des Gedenkens und der Sühne. Es wird an den Bund erinnert, der zwischen Gott und Israel geschlossen wurde. Dementsprechend ist der Mensch verüflichtet, vom Bösen abzulassen und moralsich gut zu handeln. So legt an diesem Feiertag der Mensch Rechenschaft ab über sein Tun und Lassen. Daran erinnert der Schofar. Ein widerhorn, das im Morgengottesdienst anmehereren stellen in festglegter Tonfolge geblasen wird. 

 

Wenn dies In Vorbereitung auf diesen Festtag in Niederstetten der Fall war. Meinten die Einheimischen: „Jetzt fängt das Winterhörnle zu blasen an“. Zu den Vorbereitungen auf das Fest gehörte auch, dass neue Anzüge und Kleider bestellt wurden, die man dann stolz an Neujahr tragen konnte. Briefe wurden mit Hochdruck geschrieben, Fremde und Verwandte eingeladen. Am zweiten Tag wurde „Taschlich“ (Gebet an einem fließenden Wasser) gemacht. Die Leute wanderten zu den Brücken, die über den Vorbach führten und sprachen still ein Gebet. 

 

In den Tagen nach dem Neujahrsfest begannen die Vorbereitungen für Jom Kippur, dem großen Versöhnungstag. Lehrer und Rabbiner nahmen kein Blatt vor den Mund und jede Verfehlung, von der sie meinten, sie bedürfe der Reue und der Buße wurde angesprochen. Dies geschah öffentlich und teilweise von der Kanzel herab. Frisuren der Frauen, der aufkommende Bubikopf gehörte ebenso dazu wie das Verladen von Vieh an einem Samstagmorgen oder sonstige Verirrungen bei der Einhaltung der Sabbatruhe.

Jom Kippur - der große Bußtag

Der Höhepunkt der Bußzeit bildet der Versöhnungstag. Der Tag der Reue Buße und Umkehr. Die Körpgerhygiene wird auf ein Mindestmaß beschränkt, essen und trinken sind nicht erlaubt. Man fastet und widmet sich dem Gebet. 

 

Im Gedenken an die Verstorbenen wurden in Niederstetten Kerzen im Vorraum der Synagoge aufgestellt. Die Farbe Weiß dominierte und am Tag vor dem Feiertag brachte man Äpfel mit Gewürznelken bespickt in die Synagoge. Jedes Familienmitglied bekam einen davon. Er diente zur Erfrischung während des ganztägigen Fastens, das am Abend mit einem gemeinsamen Essen aufgehoben wird. 

 

Der Tag, seine würde der der dahinterstehende Ernst ist in der Öffentlichkeit stärker ausgeprägt als bei anderen Festen. Unterhaltungs- und Vergnügungsstätten sind geschlossen. Der öffentliche Verkehr ruht, Fernseh- und Radiosendungen sind eingestellt. Der Ernst des Tages wird in Israel durch die Erinnerung an den Krieg von 1973, als das Land ausgerechnet am Jom Kippur tag angegriffen, unterstrichen

Sukkot - Laubhüttenfest

Am ursprünglichen Wallfahrtsfest das später auch als Erntedankfest verstanden und gefeiert wurde erinnert man sich an den Auszug aus Ägypten. Viele Haushalte errichten in den Tagen vor dem Fest provisorische Behausungen (Laubhütten) in denen man vorrübergehend lebt und vor allem die täglichen Mahlzeiten einnimmt. Sie sind jenen Hütten nachgebildet, in denen die Israeliten in der Wüste und Heimatlosigkeit lebten. Mit Palmwedel, Zitrusfrüchten, Myrten und Weidenzweigen werden sie provisorisch geschmückt. In Israel werden im ganzen Land an jenen tagen Laubhütten errichtet. Auf Hausdächern, Parkplätzen, Rasenanlagen. Jede Militärbasis hat ihre Laubhütte. 

 

Im Niederstettener Haushalt der Familie Stern in der Hauptstraße gab es eine eingebaute Laubhütte, die man im Flur unter Abnahme der Dachziegel eingerichtet hatte. Nicht alle Juden hatten freilich eine eigene Laubhütte. Die Gemeinde errichtete deshalb eine Sukkot im Hof hinter der Synagoge. Lehrer und Schüler halfen, sie zu bauen und zu schmücken. 

 

Der Bau einer Hütte führt den Menschen vor Augen, dass Materielles vergänglich, doch Gott ewig ist. In ihm und nicht in einem Haus finden Menschen Heimat und Sicherheit. Ist es nicht außerdem ratsam, sich ab und zu daran zu erinnern, dass wir alle zusammen „ein wenig Flüchtlinge“ sind. In der Tora heißt es: „Einen Fremdling sollst du weder unterdrücken noch ihn benachteiligen, denn ihr seid selber Fremdlinge im Land Ägypten gewesen.

Purim

Purim hat seinen Ursprung im Buch Esther der hebräischen Bibel. In diesem Buch wird die Rettung der Juden in der persischen Zeit des 5. Jahrhunderts vor unserer Zeit erzählt. Der König erwählte, nachdem seine eigentliche Auserwählte ihn verlassen hatte, eine neue Königin, Esther. Sie war von einem Juden namens Mordechai großgezogen worden, nachdem ihre Eltern gestorben sind. Nach einiger Zeit bekam ein Mann namens Haman eine höhere Stellung. Er veranstaltete ein Festessen für Haman, wobei sich all seine Untertanen und Minister vor ihm verbeugen und ihn verehren sollten. Mordechai jedoch weigerte sich. So beschloss Haman ihn und sämtliche Juden ausrotten zu lassen, was der König genehmigte. Der genaue Tag der Hinrichtung sollte durch ein Los (Pur) bestimmt werden. Nun gelingt es Esther auf listige Art. den König dazu zu bringen, dass er den Juden das Recht gibt, sich zu wehren. 

 

So wurde befohlen, Haman sei an den Galgen zu hängen, den er für Mordechai errichten ließ. Noch am gleichen Tag wurde Mordechai an Stelle Hamans in dessen hohes Amt eingesetzt. Der König ordnete zudem an, die Verfügung Hamans gegen die Juden zurückzunehmen. 

 

Auch in Niederstetten maskierte man sich, - fiel doch diese Zeit gewöhnlich mit den Karnevalstagen zusammen. Gutes Essen und Trinken war wichtig. Als Spezialität gab es Hamans. Ein Gebäck in Form eines Mannes. Vernichtung des Todfeindes durch aufessen. Zur Tradition in jüdischen Haushalten der Kleinstadt gehörte auch der Verzehr von Geräuchertem. Im Hauskamin durfte dann keine Kohle mehr im Ofen oder Küchenherd verbrannt werden. Räucherware muss eine Zeitlang hängen – eine Erinnerung an Haman, der durch den Strang starb. 

 

Bekannt ist auch die „Hamantasche“, ein Hefe- oder Strudelteiggebäck mit Mohn oder Pflaumenmus gefüllt. Die Dreiecke sollen der Überlieferung nach entweder an die Ohren von Haman erinnern oder an seinen Hut. 

 

Die sonstige Zurückhaltung Alkohol gegenüber gilt an diesem Festtag nicht. Das Gegenteil ist der Fall. Einmal im Jahr darf, vielmehr soll man sich besaufen. Eine Regel der Rabbiner besagt: Man soll so viel trinken, dass man nicht mehr zwischen „Gesegnet sein Mordechai“ und „Verflucht sei Haman“ unterscheiden kann. Die Art des Alkohols spielt keine Rolle. Das kann Wodka sein, Juden aus Nordafrika bevorzugen klaren Feigenschnaps, und mancherorts geht die Tendenz zum Single Malt Whisky. 

 

Krach und Kostüme gehören noch zu diesem Fest. Bei der Lesung der entsprechenden Geschichte aus dem Buch Esther haben die Kinder die Aufgabe den Namen des Bösewichts mit Rasseln, Tuten und Klappern zu übertönen. Außerdem können die Mädchen sich als Königin Esther verkleiden und die Jungen sich mit einem grauen Bart schmücken. Inzwischen gibt es noch viele andere Möglichkeiten. Man geht als Weltraumfahrer, Alice im Wunderland, Cowboy oder Nonne. Wie beim Fasching: Die Welt wird ver-rückt!

 

YouTube-Video: Wie backe ich Hamantaschen? Süße Köstlichkeit!

Passa

Das Passafest, im Monat Nissan (März/April) gefeiert, hat seinen Ursprung in der Erinnerung an die Befreiung des Volks Israel aus der Ägyptischen Sklaverei. Im Gedenken an dieses Ereignis wird nur „Ungesäuertes“ gegessen, weil der plötzliche Aufbruch keine Zeit ließ, den Brotteig säuern zu lassen. Zuvor steht ein Hausputz an. Kein Krümel Gesäuertes dar sich mehr in der Wohnung finden. Mit einer Kerze wird rituell in jeder Ecke des Hauses danach gesucht. 

 

Am ersten Abend des Pessahfestes, dem Sederabend versammelt sich die Familie nach dem Gang in die Synagoge um den gedeckten Tisch zu Hause. Allerlei symbolträchtige Speisen, die einen Bezug zur Knechtschaft in Ägypten haben, liegen auf dem Sederteller, von dem im Laufe des Abends gegessen wird. In der Pessah-Haggadah zusammengestellte Text werden verlesen und auf spezielle Fragen der Kinder hin auch erklärt. 

 

Bruno Stern beschreibt die Veränderungen, die sich mit dem Jahr 1933 bei der Feier dieses Festes bemerkbar machten. Hatte man vorher immer wieder auch Christen zum Fest eingeladen, unterließ man dies nun. „…noch nie hatten wir einen ähnlich bedrückenden Seder – Abend erlebt…. Die erste Seder -Feier unter den Naziregime hingegen brachte uns zum Bewußsein, das das Joch, unter welchem die Israeliten einst in Ägypten gelitten hatten, immer wiederkehrte und die Juden aller Zeitalter traf, sobald sie wähnten, die Freiheit gewonnen zu haben. Im Licht der veränderten Lebensbedingungen lasen wir nun die Passagen der Haggadah mit ganz anderen Augen, und aller erhielt eine neue Bedeutsamkeit. Es war Seder voller Ergebenheit und voller Empfänglichkeit für Trost und Hoffnung“.

 

Das Judentum:

YouTube-Video: Mein geheimnisvoller Nachbar: Jude