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Die "Schul"

In der Synagoge befand sich der einzige Schulraum, der zugleich die israelitische Volksschule/Konfessionsschule war. Die Einrichtung wird als sehr betagt beschrieben. Aus einer Gemeindeabrechnung weiß man von der Besoldung eines jüdischen Schulmeisters aus dem Jahr 1748. Es muss in jenen Jahren bereits eine Schule an anderer Stelle gegeben haben. Einige Jahrzehnte vorher wurde ihnen erlaubt, einen Rabbiner, einen Vorsänger/Kantor und Schulmeister anzustellen. 

 

Der jüdische Religionsunterricht wurde vom Kantor und Lehrer erteilt und stand unter der Aufsicht des Oberrats. Für die anderen Fächer war der evangelische Schulrat zuständig. Kantoren und Lehrer hatten zuvor eine Prüfung zu absolvieren, wie alle anderen staatlichen Lehramtsanwärter im Staatsdienst, um zu beweisen, dass die nötige Allgemeinkenntnis und didaktische Fähigkeiten vorhanden waren. Ihre Ausbildung erhielten die aus dem Fränkischen stammenden Kandidaten in der 1864 eröffnete Israelitischen Lehrerbildungsanstalt Würzburg.

 

Die Kinder besuchten nach den ersten vier Jahren Volksschule danach meistens die Realschule. Diese hatte nur drei Klassen. Manche setzten danach ihre Schulbildung fort und legten in Bad Mergentheim oder Schwäbisch Hall das „Einjährige“ ab. In Schwäbisch Hall oder Tauberbischofsheim gab es die Möglichkeit die Reifeprüfung abzulegen.

 

Lernen als Lebensprinzip

Die jüdische Kultur ist eine, die von sich behaupten kann eine lebenslange Lernmotivation und Lernfähigkeit zu eröffnen. Das Lernen ist keine zeitgebundene Tätigkeit, sondern etwas was immer existiert und nie aufhört. Der Lerninhalt lautet: "Widme Dich dem Studium der Tora" (Sprüche der Väter 4, 12). 

 

Schon kleine Kinder lernen hebräisch zu lesen. Sie das "Schma Israel", das Grundbekenntnis der Juden, und werden mit den Festen des Judentums vertraut, soweit sie diese von zu Hause noch nicht kennen. In einer jüdischen Schule lernt man neben den Fächern öffentlicher Schulen, auch das intensive Studium der Tora und die hebräische Sprache kennen. 

 

Das lernen beschränkt sich dabei nicht nur auf die Kindheit und die Jugend, sondern auf das ganze Leben. Kein Jude ist zu alt den religiösen Lernpflichten nachzukommen. Kein Wunder, dass im Haus der Familie Stern in Niederstetten nicht nur die lokalen Zeitungen sondern auch die Stuttgarter, die Frankfurter und Blätter aus den USA gelesen wurden. Die Bibliothek im Hause Stern hatte einen Bestand von über 5000 Büchern.